Endlich wieder schöner Fussball. Nach der schrecklichen Vorstellung der Laienschauspielgruppe aus Asuncion, die im Weltfussball tiefe Wunden hinterlassen hat, waren die zwei gestrigen Achtelfinalspiele endlich wieder Werbung für die schönste Nebensache der Welt.
Norwegen – Brasilien: 2-1
Dieses Spiel war eines der Besten, das ich seit Langem gesehen habe. Norwegen hatte einen Plan, setzte diesen mit der Präzision eines Chirurgen um und schickt Brasilien nach Hause. Carlo Ancelotti setzte dem norwegischen Ballbesitzfussball (!) eine Kontertaktik mit schnellem Umschaltspiel bei Balleroberung entgegen. Allein diese Ausrichtung machte klar, welchen Respekt die Selecao vor Norwegen hatte. Was Norwegen in weiterer Folge auf den Platz der New England Patriots zauberte, war eine Wahnsinnsleistung.
- Mehr doppelt so viele Pässe als Brasilien (680 vs. 329)
- Zwei Drittel Ballbesitz (66% vs. 34%)
- Passquote von 91% vs. 85%.
Norwegen war ständig am Drücker, kreierte Überzahlsituationen und kam immer gefährlich vors Tor. Und Brasilien war im Konterspiel brandgefährlich. Bei einer Balleroberung wuselten sofort etliche gelbe nach Vorne und sorgten so für Lawinenwarnstufe fünf im gegnerischen Strafraum. Nach einem solchen Angriff folgt ein (später, VAR-unterstützter) Elfmeterpfiff. Doch Torhüter Nyland parierte den schwach geschossenen Versuch von Bruno Guimares. Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte ging das Spiel hin und her, ein höchst flottes Match bei dem sich vor allem beide Keeper auszeichnen konnten.
In der zweiten Halbzeit dasselbe Spiel. Norwegen mit viel Ballbesitz und einigen Chancen. Brasilien kontert und kommt zu einer absoluten Topchance, doch Endrick Endrick scheitert allein vor dem Tor. Kurz darauf wird Neymar eingewechselt. In der 79. Minute dann die Stunde des bis dahin blassen Haaland. Flanke des eingewechselten Schjelderup und der norwegische Hüne setzt sich gegen zwei Brasilianer getreu dem Motto „Mach Platz, ich bin der Landvogt“ durch und erzielt das unhaltbare 1:0. Es folgte ein wilder Schlussabschnitt. Ein Klärungsversuch des Norwegers Wolfe, eine Bogenlampe mit ca. 42m Höhe, konnte der eigene Torhüter Nyland gerade noch an die Stange lenken. Dann das 2:0 erneut durch die Kombination Schjelderup und Haaland, abgeschlossen ins lange Eck. Es folgt eine Unsportlichkeit von Neymar gegen einen Norweger, der Brasilianer kann wie immer seine Klappe nicht halten und mault die ganze Zeit herum. Tief in der Nachspielzeit nochmal Elfmeter für Brasilien, und Neymar untermauert seine Vorstellung mit weiteren verbalen Spitzen gegen den norwegischen Torhüter. Bis der Strafstoß ausgeführt ist, sind 90+10 Minuten rum. Neymar verwandelt, jubelt überschwänglich und plappert noch etwas mit dem Torhüter und dann ist das Spiel zu Ende und Neymar versinkt in Tränen. Und so ging Neymar, wie er gekommen war…als hochbezahltes Crybaby. Die Norweger versinken im Freudentaumel und dürfen sich auf ein Viertelfinalduell mit England freuen denn:
England – Mexico: 3-2
Im Feindesgebiet lieferte England eine ihrer besten Leistungen des Turniers ab. Durch einen Doppelschlag von Bellingham in der 36. und 38. Minute ging die Elf von Thomas Tuchel gemütlich in Führung. Die Entspanntheit sollte jedoch nicht allzu lange dauern, denn Quinones glich noch vor der Pause für die Mexikaner aus. Nach dem Wechsel gab es zunächst Rot für England nach einer ungestümen Attacke von Quansah. Doch in Unterzahl bekam England einen Elfmeter zugesprochen, dieses Geschenk lässt sich Harry Kane natürlich nicht entgehen. Nur 10 Minuten später verursachte der Stürmer jedoch im eigenen Strafraum einen Elfmeter, den Jimenez verwertete. England war ob des intensiven Matchs, der Unterzahl und der Höhe stehend K.O. doch brachte mit viel Willenskraft und Einsatz das Ergebnis ins Ziel. Was für ein Fest!
Fussball hat verloren.
Doch warum hat der Fusball gestern verloren? Gianni Infantino hat während einer Koloskopie eines befreundeten Einwanderers aus Deutschland einen Passus im FIFA-Regelwerk gefunden, der ihm erlaubt hat, diesem Freund ein kleines Gschenkle zu machen. Denn in Artikel 27 des Disziplinarkatalogs steht wörtlich: „Die FIFA Disziplinarbehörde kann bei genauer Betrachtung eines Vorfalls und bei genügend gelenkt-demokratischen Tendenzen unter Einhaltung einer vertieften Analyse des Verdauungstraktes von Möchtegerndemokraten zur Einsicht gelangen, dass Rote Karten vollkommen für den Hugo sind.“
Dass es bei der FIFA eine pay-to-win Funktion gab, wissen wir nicht erst seit Sepp Blatters Geldregen. Es ist erstaunlich, in welcher Offensichtlichkeit und welcher Dreistigkeit dies inzwischen geschieht. Dass ich als Endkunde bei Aramco keine fünf Liter Benzin kaufen kann ist mir schon wurscht. Irgendwohin müssen ja die Kohlen. Aber ein so offensichtliches Eingreifen in das Turnier gab es definitiv noch nie. Ich glaube nicht, was ich hier schreibe: Bitte, liebe Belgier, schickts die Amis mit einem 5:-1 nach Hause.
Doch wie wirken sich die Ergebnisse auf unser Tipptoto aus? Insgesamt 22 Tipperinnen und Tipper haben heute die volle Punktezahl bekommen. Interessant dabei, dass niemand aus den Top 10 dabei war. Und so rücken beispielsweise don gilberto, Matze Mazzani, Gregor-itsch, FARTIN, Nick S. Halten und Lena Schilling in Love etliche Plätze nach vorne. Am meisten freuen darf sich Abeeeey viel Fleisch, er macht heute knapp 40 Plätze gut. Komplett leer gehen hingegen 34 Leutle aus. Darunter ist Gerwyn Price, p_ro, Potl und T&T, der 39 Plätze verliert und aus den Top 100 fällt. Doch auch Rider, Tom Scorer, Prinzessin Glitzer, Lux, Jasi Kobmon und Postlers Toni, der Aushilfsredakteur dieser Spatzenpost hier, schreibt heute 0 Punkte an.
In Führung bleibt Hopp Schwiz, gefolgt von Ivan Campo sowie Jenny&Riley und $owitasgoht, bei dem ich mich erneut für den toll zu schreibenden Nicknamen bedanken möchte. Die Top 10 sind übrigens nur durch 11 Punkte getrennt – ein extrem spannendes Rennen zeichnet sich ab.
Bis dann!
